Qu Yuan 屈原(~ -278) 


Qu Yuan Ming-Holzschnitt Detail

Leben: Qu Yuan war nicht im eigentlichen Sinn Philosoph, wandernder Gelehrter, sondern Minister und später in der Verbannung Dichter, der Haltungen, welche in den Klassikern zum Ausdruck kommen, beinahe überhöht lebte. Diese Intensität des Ausdrucks ließ ihn zum jahrhundertelang tradierten und verehrten Vorbild werden. Man kann auch von ihm sagen, dass er den "Weg der Alten" aufrecht erhielt und weitergab.

August Pfizmaier (1808-1887), der 1851 sein Werk als erster in eine westliche Sprache übersetzte -- und zwar von einem chinesischen Exemplar, welches der englische Konsul Karl Gützlaff (1803-1851) der k. k. Hofbibliothek geschenkt hatte:

Qu Yuan war Minister am Hofe König Huai's von Chu, und lebte zur Zeit der kämpfenden Reiche, einer Periode, welche der endlichen Alleinherrschaft Qin's über ganz China vorherging. Er ward von dem Volke geliebt, und schien dem Könige, dessen Familienname (Qu) auch der seinige war, unentbehrlich zu sein, wurde aber eben deswegen verleumdet, und verlor seinen Posten.

Qu Yuan, zurückgezogen, schrieb zuerst das Lisao, d. i.. die Anwandlung des Schmerzes, worin er unter der Form verschiedener Allegorien einen König aufsucht, der den vollkommenen Herrschern der alten Zeiten gliche, und an dessen Auffindung er zuletzt verzweifelt.

Kaum war Qu Yuan entlassen, als die Haltlosigkeit des Königs Verderben über das Land brachte. Der Staat Qin wünschte nämlich den mit Chu verbündeten Staat Qi anzugreifen, und sann auf Mittel, dieses Bündnis zu trennen. Zu diesem Ende hieß er einen gewissen Zhang Yi mit großen Geschenken sich nach Chu begeben, um den König dieses Landes zu bewegen, das Bündnis mit Qi aufzugeben, für welchen Fall Qin eine Landesstrecke von 600 Li an Chu abtreten würde. König Huai gab sogleich das Bündnis auf, und entsandte einen Abgeordneten um das Land in Besitz zu nehmen. Da sagte Zhang Yi, er habe nicht 600 Li versprochen, sondern 6 Li. König Huai, zürnend, sammelte jetzt ein großes Heer und ließ es gegen Qin vorrücken, jedoch in der Schlacht an dem Tan-tsche wurde diese Macht vernichtet. Das Heer von Qin schlug achtzigtausend Köpfe ab, und der Feldherr Kbio-kai wurde gefangen. Von nun an sank Chu immer tiefer. Qin verwüstete das Land, die neu gesammelten Truppen traten zu diesem über, das verratene Qi leistete keine Hilfe, und auch die benachbarten Fürsten richteten ihre Angriffe gegen Chu, welches gänzlich darniederlag.

Da heiratete Zhao, König von Qin, nachdem er schon früher die Hand zur Aussöhnung geboten, in die königliche Familie von Chu, und begehrte mit König Huai eine Zusammenkunft. Qu Yuan, obgleich seines Postens beraubt, hatte schon früher den König vor der Tücke Zhang Yi's gewarnt, sein Rat jedoch wurde erst dann gehört, als es zu spät war. Auch jetzt richtete er an den König, der sich nach Qin begeben wollte, eine Vorstellung, worin er sagte: "Die Qin sind ein Volk von Tigern und Wölfen, das keinen Glauben verdient. Das Beste ist: nicht gehen." Der König auf das Zureden seines jüngsten Sohnes Tse-Lan ging dennoch, und trat in den Kriegspaß, den Ort der Zusammenkunft. Qin legte Truppen in den Hinterhalt und hielt seinen Gast zurück. Nach vergeblichen Versuchen zu entkommen, musste dieser in Qin bleiben, wo er endlich starb.

In Chu bestieg des Königs ältester Sohn [Qing] Xiang den Thron. Tse-lan, der zur Reise nach Qin geraten, war bei dem Volke verhasst, und Qu Yuan tadelte ihn laut. Der Prinz führte darüber bei dem Könige Klage, und dieser verbannte Qu Yuan in die Gegend im Süden des Yangtse.

Hier dichtete dieser noch die neun Gesänge, die Himmelsfragen, die neun Kapitel, die ferne Wanderung, die Wahrsagerwohnung und den Fischervater. Seine Absicht war, wie bei dem Lisao, den König aus seinem Schlummer zu wecken, und den Regierungsgrundsätzen der alten Könige wieder Eingang zu verschaffen. Da ihm dieses nicht gelang, und weil er den Untergang seines Vaterlandes nicht erleben wollte, zog er an die Ufer des Yangtse, und stürzte sich mit einem Steine in dem Busen, in die Strudel des Miluo, wo er seinen Tod fand.

Die Bewohner von Chu hingen an Qu Yuan mit Enthusiasmus. Sie glaubten, dass seine Seele zu den Ufern des von ihm besungenen Xiang hernieder gestiegen, und hielten ihn für den Genius der Wasser. Alljährlich am fünften Tage des fünften Monats, seinem Todestage, füllte man Röhren mit Reis, und warf sie als Opfer für seine Manen in den Strom. Dieses währte bis zu Kaiser Kien-wu von der Dynastie Han (30 J. nach Chr.).

Um diese Zeit sah ein Eingeborner der Stadt Changsha, Namens Quhui bei hellem Tage plötzlich einen Mann. Er nannte sich einen großen Mann der drei Pforten , und sprach: "Ich höre, was von dem König geopfert wird, ist trefflich; jedoch das Dargebrachte sollte der Krokodildrache scheuen. Es gibt eine Gunst: Man kann in einer Hülle von den Blättern des Baumes Lian es darreichen, und mit fünffarbiger Seide es umwickeln. Diese Dinge fürchtet der Krokodildrache."

Dieses wurde befolgt; das Opfer in der genannten Form dargebracht, ist heute noch in China üblich, und der fünfte Tag des fünften Monats ein großer Festtag. Die Topographie von Jiangling enthält Qu Yuan's alte Wohnung, und den Ahnentempel seiner Schwester Nüxu, welche in dem Lisao genannt wird. Sein Kleiderstein ist heute noch vorhanden, und wenn der Herbstwind weht, und in Regennächten, so sagt man, lässt sich ein dumpfer Ton des Steines hören.

Werk: Chuci, die Lieder von Chu. Qu Yuan begründete damit die neben dem Shijing älteste dichterische Tradition Chinas. Es handelt sich um eine schmale Sammlung von neun Oden, neun Elegien sowie einigen teilweise längeren Stücken, unter welchen Lisao (Trauer beim Abschied) und Tianwen (Fragen an den Himmel) am berühmtesten sind. Ganz abgesehen davon, dass sie intensives Gefühl (Melancholie, Kränkung, Sehnsucht, Verzweiflung) vermitteln, heben sich die Lieder durch ihre Stellung zwischen schamanistischen Traditionen des Südens und reinster konfuzianischer Haltung hervor.

Quyuan bei Wikipedia Deutsch und Englisch

Tianwen 天问 (Fragen an den Himmel) annotiert