100 Schulen (bai jia)



Konfuzius Steinabreibung
Die klassische Periode der chinesischen Philosophie erstreckt sich von Konfuzius, 6. Jh. v. Chr., bis zum Ende der Qin-Dynastie, 221 v. Chr. Sie stimmt zeitlich mit ebenso kreativen und für die spätere Geistesgeschichte bedeutungsvollen Hochblüten in Indien und Griechenland überein.
Die Philosophen und ihre Schulen waren zahlreich, sodass die chinesische Tradition von "hundert Schulen" spricht. Sima Tan (bis 110 v. Chr.) traf eine erste, später tradierte Einteilung der Philosophen in sechs Hauptgruppen. Liu Xin (46 v. Chr.-23) berücksichtigte in seiner Einteilung die Ursprünge der Schulen, die er innerhalb von Fachministerien für Astronomie, Bildung ,Riten, Justiz und dem Archiv sah. Beide Einteilungen enthalten folgende Schulen:
- Yinyang studierte die Natur des Kosmos und setzten seinen Wandel in Bezug zu den beiden einander ergänzenden und ablösenden Grundprinzipien Yin und Yang.
- Ru/Konfuzianer konzentrierten sich auf Bildung und Ritual. Sie wurden in mehrere Untergruppen unterteilt.
- Mohisten betonten Einfachheit, Nützlichkeit und Sparsamkeit in allen Dingen. Sie folgten traditionellen religiösen Vorstellungen.
- Logiker dachten über die Beziehung von Begriffen und Realität nach.
- Legalisten hoben die Bedeutung der Gesetze gegenüber Tradition und Sitte hervor.
- Taoisten versuchten die letzten Prinzipien zu verstehen und schlugen eine alternative Organisation der Gesellschaft vor.
Liu Xin fügte zwei weitere Schulen hinzu:
- Agronomen betonten Landwirtschaft und Seidenraupenzucht und übten im 4. und 3. Jh. Gesellschaftskritik.
- Strategen entwickelten Argumentationstechniken.
Im 20. Jahrhundert wurden zunächst soziale, später auch ethnisch-kulturelle und regionale Unterschiede zwischen den Schulen herausgearbeitet.
Ab dem 5. Jh. v. Chr. förderten die Fürsten Gelehrte verstärkt, weil sie in ihren Auseinandersetzungen mit anderen Staaten auf guten Rat angewiesen waren. Sie boten gut bezahlte Stellungen und Ehrentitel.
Ein gutes Beispiel bietet der Staat Wei. Fürst Wen förderte unter anderem die Konfuzianer Zixia und Li Kui, die als erste statistische Methoden in die Staatskunst einführten. Fürst Wu setzte fort. König Hui verlor in Folge schlecht geführter Kriege Land und Reichtum an Qi, Qin und Chu. Er machte es später mit Hilfe berühmter Männer wie Hui Shi, Menzius, vielleicht Zhuang Zhou, die er in Daliang um sich scharte, wieder wett. Manche dieser Gelehrten verließen seinen Nachfolger, König Xiang, und gingen zum charismatischeren König Xuan (319-301) von Qi.
Dieser hatte die von seinem Vater König Wei (357-320) gegründete Jixia Akademie, die nach dem Westtor der Hauptstadt benannt war, unter welchem sich ihre Mitglieder versammelten, zur höchsten Blüte gebracht. 76 Gelehrte disputierten frei unter ihrem Dach und erhielten dafür gute Gehälter und hohe Ehren. Manche gingen darin auf und entsagten gerne der Amtsmacht, aber andere hätten lieber die Einschränkungen desselben auf sich genommen und versucht, ihre Anschauungen zu verwirklichen.