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Durch ihre enge Verknüpfung mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage sind die visuellen Künste eine "commodity" geworden: das Kunstwerk ist jetzt ein Handelsprodukt wie die Seife und die "securities".
[...]
Zum Schluss hoffe ich, dass diese Mittelmäßigkeit, die durch zu viele, der Kunst per se fremde Faktoren bedingt ist, eine Revolution, diesmal eine von asketischer Art, herbeiführen wird, über die sich das breite Publikum nicht einmal bewusst werden wird und die bloß einige Eingeweihte entwickeln werden -- am Rande einer Welt, die durch das ökonomische Feuerwerk geblendet ist.
The great artist of tomorrow will go underground.
Marcel Duchamp, 1961
Die Radikalität in meiner Definition von "Kunst" hat manche zeitgenössische Künstlerin, die sich mit großer Anstrengung einen Platz im heutigen Kunstbetrieb erkämpft hat [...], erschreckt. Die Reaktion ist dann meistens heftige Abwehr gegen die neuen Ideen und Festklammern an den traditionellen Formen von Kunst, in die sie ihre veränderten Inhalte mühsam unterzubringen versucht. Aber diese beginnende Diskrepanz zwischen den verengenden Formen patriarchaler Kunst [...] und den neuen Erlebnisweisen, die Frauen in die Kunst hineintragen und die rahmensprengend sind, wird sich verschärfen. Das wird den Weg öffnen zu der matriarchalen, Formen und Gattungen und sonstige Bereiche überschreitenden Kunst, die keinen Werkcharakter mehr hat und als dynamischer Prozess nicht mehr an irgendwelchen Kunst-Dingen -- die immer künst-licher werden -- klebt, sondern permanent fließender, symbolischer Ausdruck ist, in welchen die "Werke" sich als poetisch-energetische Zeichen einfügen.
Heide Göttner-Abendroth, Die tanzende Göttin, 1985
Auch die Natur strebt wohl nach dem Entgegengesetzten und bringt hieraus und nicht aus dem Gleichen den Einklang hervor, wie sie z.B. das männliche mit dem weiblichen Geschlechte paarte und nicht etwa beide mit dem gleichen, und die erste Eintracht durch Vereinigung des Gegensätzlichen, nicht des Gleichartigen herstellte. Auch die Kunst bringt dies, offenbar durch Nachahmung der Natur, zustande. Die Malerei mischt auf dem Bilde die Bestandteile der weißen und schwarzen, der gelben und roten Farbe und bewirkt dadurch die Ähnlichkeit mit dem Originale; die Musik mischt hohe und tiefe, lange und kurze Töne in verschiedenen Stimmen und bringt dadurch eine einheitliche Harmonie zustande; die Schreikunst mischt Vokale und Konsonanten und stellt daraus die ganze Kunst zusammen. Das gleiche spricht sich auch in dem Worte des dunklen Herakleitos aus: Verbindungen sind: Ganzes und Nichtganzes, Eintracht, Zwietracht, Einklang, Missklang und aus allem eins und aus einem alles.
Heraklit aus Ephesus (550-475)
Wir neigen dazu, die kleinen Dinge des Lebens zu unterschätzen. Es ist die Aufgabe der Kunst, ihre wahre Bedeutung zu erkennen und zu würdigen.
Jim Jarmusch, Interview Spiegel Online, 2009
seiten wie diese gibt es unmengen. aber letztlich endets überall beim "du-lobst-mir ich-lob-dir". hier fliegen zumindest ab und zu die wortfetzen. taugt daher zur auflockerung zwischendurch.
kunstnatter, kunstnet.de-Forum, 2009
Bewusstsein mitzuteilen, kann durch die Ausübung von Kunst geschehen. Ein Vorzug der Kunst als Hilfsmittel zur Verfolgung des Großen Werks ist ihre Fähigkeit, das Publikum zu bewegen und zu verändern, indem sie die verbalen Zensoren des unbalancierten Ego umgeht.
Nema
Ich bin für eine Kunst, die politisch-erotisch-mystisch ist, die etwas Anderes tut, als im Museum auf ihrem Arsch zu sitzen.
Ich bin für eine Kunst, die sich entwickelt, ohne überhaupt zu wissen, dass sie Kunst ist, eine Kunst mit der Chance, am Punkt Null anzufangen.
Claes Oldenburg, 1961
Oder ist es vielleicht eine durch das All hindurchgehende Seele, die alles vollbringt, indem das Einzelne als Teil so bewegt wird wie sie das Ganze bewegt, dergestalt dass wenn von dort her die Ursachen ausgehen, die ununterbrochene Zusammengehörigkeit und Verflechtung derselben ihnen als Schicksal folgen muss?
Plotin, Enneaden
Art is not made by men and women who are wise, but by those in search of wisdom and to search at all is wisdom enough. Knowledge of oneself is the most that we can know.
Dominic Rouse, 2007
Das ist auch die Suche des Betrachters an der Kunst. Das Museum ist fast ein religiöser Ersatz, ich kann ja Gott auch nicht sehen. Ich kann in der Kunst anfangen, in der Meditation und merken, dass ich hier auf der Spur bin, nicht belehrt zu werden. Ich kann etwas ertasten und selber den eigenen Standpunkt finden.
Christoph Schlingensief, Interview ORF, 2009
Es wird eben über wenig an der Wand viel geredet. Oder man tut so man stellt sich sechs Minuten so vor ein Bild und guckt und dann ist man schon Kurator, Galerist oder Käufer, potenzieller Käufer wahrscheinlich. Das ist manchmal zu wenig. Ich mag Kunst sehr, ich finde das Spirituelle an der Kunst interessant, das ist manchmal spannender für mich als in die Kirche zu gehen. Aber ich finde, dass viele Kunst auch oft so aufgeblasen daherkommt und das ist die Herausforderung, vielleicht auch wirklich mal zu fragen, mich auch selbst zu fragen: Was ist eigentlich diese Frage nach der Kunst? Was erlauben wir uns da, was erlauben sich andere? Warum geht’s eigentlich über Geld so ganz schnell, alles klar? Oder warum ist das manchmal auch ne Luftblase?
Christoph Schlingensief, Interview hr-online.de, 2010
In der Vergangenheit waren die Kirche und teilweise auch die Künste die Wächter der Werte. In einer freien Marktwirtschaft und Konsumgesellschaft wird Kunst unabdingbar zu einer Handelsware. Zwar kann diese Verwandlung glücklicherweise nie vollständig sein, aber die Kunst kann leider keine wirklich wichtige, moralische Rolle spielen. Vielleicht wird sich auch das in der Krise ändern.
Natalja Solschenizyna, Interview Spiegel Online, 2009
Ach, wenn es für Geld ist, macht das keinen Spaß!
Suschnas Tochter, 2009
Ich glaube, das Wunder des Schönen in der Natur und in den Künsten (einzig und allein in der vollkommenen oder fast vollkommenen Kunst) ist ein sinnlicher Abglanz des Mysteriums des Glaubens.
Simone Weil, Entscheidung zur Distanz, 1942
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