Charles George Gordon (1833-1885)

Englischer General, geboren in  Woolwich bei London. Er absolvierte die Woolwich Akademie und stieß 1852 zu den königlichen Ingenieuren. Von 1855 bis 1856 kämpfte er im Krim-Krieg.

1860 ging er nach China. Er folgte dem gefallenen General Ward als Oberbefehlshaber der "Immer Siegreichen Armee" nach und trug 1863-64 maßgeblich zum Sieg über die Taiping-Rebellen bei. Daher stammt sein Rufname "Chinese Gordon", unter welchem er bekannt wurde. 

Nach dem Sieg überwarf sich mit seinem Vorgesetzten, Li Hongzhang, weil die Taiping-Könige ohne Rücksicht auf das Ehrenwort auf freies Geleit, das er ihnen gegeben hatte, nach der Einnahme von Suzhou während eines Festes auf Li's Boot ermordet worden waren. Li Hongzhang bestritt, dazu Befehl gegeben zu haben. Doch Charles Gordon lehnte Belohnung und Ehrenzeichen ab und verließ China.

Ab 1865 lebte er zurückgezogen in England und kümmerte sich um die Armen. Er errichtete eine kleine Abendschule, in der er selbst lehrte.

1877 wurde er Gouverneur des Sudan. Er bekämpfte die Sklaverei der Schwarzafrikaner. 1880 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück. 1884 ging er erneut nach Afrika, um die ägyptischen Garnisonen gegen fundamentalistische Rebellen unter dem Mahdi, der sich als "der Erwartete" bezeichnete, zu unterstützen. Er wurde zehn Monate lang in Khartum belagert. Der Premierminister wollte ihn dazu bewegen heimzukehren und sandte daher keine Entsatztruppen. Gordon antwortete: "I am in honor bound to the people. (Ich bin den Menschen hier in Ehre verpflichtet)". Der Premier gab schließlich nach und sandte Truppen -- zu spät, denn zwei Tage bevor sie eintrafen wurde Gordon getötet. Öffentlichkeit und Obrigkeit trauerte um ihn. Es wurden Gedenkmessen in St. Paul und in anderen Kirchen gehalten. Später wurde viel über ihn geschrieben. Er ist in der St. Paul Kathedrale begraben.

Charles Gordon mutet an wie ein Held oder ein Heiliger. Diese Eigenschaften wirken in einer Zeit des pragmatischen Materialismus irritierend. Doch er ließ auch seine Zeitgenossen nicht kalt. Der spätere Generalgouverneur von Zhili und mächtigste Mandarin, Li Hongzhang, der sonst gemessen um nicht zu sagen kühl wirkt, bot ihm in einem Anflug von Begeisterung seine Bruderschaft an. Er schrieb auch später viel über ihn, nachdem Gordon ihn und China verlassen hatte. Der langjährige deutsche Gesandte, Max von Brandt, schildert ihn als den stursten und einseitigsten Menschen, die er je getroffen habe. Beide hielten ihn für unrealistisch. Andere Zeitgenossen und Chronisten nehmen bei ihren Schilderungen der ausländischen Soldateska, die sich am Taiping-Krieg beteiligte, den edel gesinnten Gordon stets explizit von den Vorwürfen, welche sie anderen zu machen haben, aus.

Charles Gordon hat seine Polarisierungsmacht nicht ganz verloren. Der Informatiker Peter V. Homeier schreibt auf seiner Webseite "General Charles Chinese Gordon": 

...In contrast, I hope you find in Gordon the inspiration and encouragement to become a larger and nobler person than you ever thought you could be.

http://www.cis.upenn.edu/~homeier/interests/heros/gordon.html 

Roderick James Craig wiederum:

My interest in Gordon comes mostly from a distant family connection (I am a 4x great-grandson of his aunt, Henrietta Augusta Gordon, who, I have read, played an important role in his education). I was brought up to be proud of this relationship, but most of the family has never understood his personality, and generally think of him as a madman. As a historian (I am working for my Ph.D. in Medieval History at Bordeaux University) and a genealogist, I have always taken an interest in his life. I have read several biographies and some of his published letters. Despite all this, he still remains a bit of a mistery to me. ...

http://roderickcraig.ourfamily.com/gordon/index.htm